Vorurteile

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Richtiger hätte ich den Beitrag wahrscheinlich Vor-Bilder nennen sollen. Hier geht es um jenes halbe „Wissen“, das man -aus irgendwelchen Quellen sich angesammelt habend- irgendwo im Kopf hat, ohne dass man wirklich weiß. Und diese Innenbilder treffen dann auf die Wirklichkeit.

Mit erstaunlichen Effekten. Ganz genau genommen, kann es hier natürlich nur um das gehen, was in meinem Kopf war.

Beginnen wir mit Spanien. Urlaubsland der Deutschen. Viele Costas, Meer, Hotelburgen und Strandlümmeln. Im Landesinneren einfach heiß und trocken. So meine Vorstellung. Überraschung eins: was das Land wirklich besonders macht, das sind die Sierras! Wir haben das Land im Süden und Osten bereist und sind überall auf herrliche Gebirgszüge gestoßen. Die abwechslungsreiche und steile Alpujarra, das trockene Cabo de gata, die waldigen Sierras bei Teruel und Cuenca, die Hügel der Costa brava… Spanien ist ein Wanderland! Dabei waren wir noch nicht mal in den Pyrenäen oder in Galicien.

Nächster Punkt auf der Vorurteilsliste: Baskenland. Das, was mir sofort im gleichen Atemzug dazu einfiel: ETA, die baskische Terrororganisation. Und dann fängt uns, die wir immer auf der Suche nach Empfehlungen der Leute vor Ort sind, ein Andalusier an, vom País Basco zu schwärmen. Die Natur dort! Die Städte Pamploma, Bilbao. Und die Leute erst, aufgeschlossen, freundlich… Das gleiche erzählten uns andere in Murcia, in Aragon, in Katalonien. Auf meine Nachfragen nach der ETA erntete ich nur abwinken. País Basco, wir werden kommen.

Weiter geht es mit einem kulinarischen Irrtum. Italienische Olivenöl sei besonders gut, wusste ich. In der Provinz Jaén erfuhren wir dann, dass das „italienische“ Olivenöl zum größten Teil aus dieser Region Spaniens kommt. Die Spanier seien bloß zu blöd, es selbst ordentlich zu vermarkten und ließen es sich billig von den Italienern abkaufen. Die verzigfachen dann den Preis, packen alles schick in kleine Fläschchen und fertig ist es für den deutschen Verbraucher.

Schwenken wir um auf die Ukraine. Da wird es besonders spannend. Denn die verschiedenartigsten Medien haben nichts unversucht gelassen, uns die Konflikte in der Ostukraine zu präsentieren.
Es solle um Konflikte zwischen Ukrainischsprachigen und Russischsprachigen gehen. Was erlebe ich? Im Bus erlebe ein buntes Sprachengewirr. Da geht es munter hin und her zwischen beiden Sprachen, jeder scheint alles zu verstehen, manche wechseln dauernd. Dasselbe hier auf dem Zeltplatz in Schazk. Wir feiern mit drei jungen Pärchen. Eine Frau aus Kiew spricht Russisch, ihr Freund wechselt, die andern haben ein Ukrainisch mit vielen russischen Ausdrücken.
imageNachrichten im ukrainischen Fernsehen. Die Frau am Pult spricht Ukrainisch. Der erste Korrespondent redet Russisch. Der nächste Beitrag kommt in Ukrainisch, es werden Leute auf der Straße interviewt, wieder höre ich beide Sprachen. Nichts davon wird übersetzt! Ein Konflikt sähe für mich anders aus.
Nehmen wir nun das Stichwort Majdan. Das ist jener Platz in Kiew, der von November letzten Jahres an von vielen Menschen besetzt war. Dass es sich bei jenen Leuten um Faschisten gehandelt haben soll, sollte in Deutschland inzwischen sowieso niemand mehr glauben. Was ich hier höre -und nicht nur einmal- und was mich sehr erstaunt, ist, dass aus ganz vielen Orten der Ukraine die Menschen immer eine gewisse Zeit dort waren. Eine Bekannte meinte ohne Übertreibung, ihre halbe Stadt sei dort gewesen, immer ein paar Autos miteinander, meist für etwa eine Woche. Ihre Stadt hatte 30.000 Einwohner! Wenn das keine Volksbewegung war, was dann?

Wie Medien mit ihrer Sprache bei uns innere Bilder erzeugen, konnte man gerade im Fall der Ukraine sehr gut beobachten. Nehmen wir zum Schluss den Begriff der „Volksrepublik Donezk“. Was stellt man sich darunter vor, wie sieht es dort aus, was ist das eigentlich?
Am besten, lieber Leser, du beantwortest diese Fragen erstmal für dich allein und liest im Anschluss diese zwei guten Artikel von Konrad Schuller aus faz.net, die sich genau mit dem decken, was ich aus einigen andern Quellen weiß:
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/donezk-in-der-ostukraine-im-reich-der-stalinfreunde-13025835.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
und
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ostukraine-in-donezk-ist-gewalt-alltag-13021452.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2