Klartext Ukraine

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Aufklärung gegen deutschen Schwachsinn in den Medien und deutsche Kleinkrämerhirne

In der Ukraine herrscht Krieg. Diesen Krieg führt Russland gegen die Ukraine im Osten der Ukraine. Der Kriegstreiber ist Putin. Er hat diesen Krieg vom Zaun gebrochen, er hält ihn am Kochen. Die Anfänge dieses Krieges reichen schon etliche Jahre zurück.
Worum es geht, kann ich nur vermuten: Russland will mit Macht seinen Einfluss auf die Ukraine behalten.
Vor diesem schauerlichen Hintergrund, der täglich Menschenleben kostet, finde ich zum Kotzen, was in deutschen Medien monatelang verbreitet wurde und immer noch verzapft wird.

Da wir in die Ukraine wollten, haben wir seit Beginn unserer Reise im Dezember 2013 verfolgt, was in deutschen und spanischen Medien geschrieben wurde, wir haben ukrainische Beiträge gelesen, wir hatten Kontakte zu Ukrainern aus verschiedenen Regionen des Landes, wir sind nun seit drei Wochen hier im Land und nehmen wahr, was geschieht.

Die wichtigsten deutschen Lügengeschichten:
Die Mär von ukrainischen Faschisten. Der Majdan war eine Volksbewegung, ähnlich der Massendemos in Leipzig zu Zeiten der Wende. Es waren dort auch mal Leute vom Rechten Sektor, die natürlich für alle Fotografen ein gefundenes Fressen abgaben, so wie das auch in Deutschland der Fall ist. Ich habe in den Tagen hier in Kiew nur vereinzelt einen Rechten gesehen, weit weniger als ich bei einem Spaziergang durch Berlin an Neonazis sehen würde. Das restliche Geschwafel von Faschisten war Putinsche Medienhetze in den russischen Sendern. Diese Medienhetze übertrifft Goebbelsche Ausmaße – und ihr sind lange Zeit viele deutsche Medien aufgesessen. (Es ist interessant zu verfolgen, wie bis heute jedes Bla Bla von Putin getreu wiedergegeben wird, während Aussagen ukrainischer Politiker nur spärlich auftauchen oder oft mit zweifelndem Unterton wiedergegeben werden.)

Die zweite Mär ist die vom Sprachenkrieg. Hier hat man sich drauf gestürzt, dass das ukrainische Parlament nach der Flucht Janukowitschs ziemlich als erstes Russisch als zweite Amtssprache wieder aufgehoben hat. Ob das sehr klug war, lässt sich wohl tatsächlich diskutieren und wird erst verständlicher, wenn man sich näher mit ukrainischer Geschichte befasst hat.
Im realen Alltag hier existieren beide Sprachen und ein Mix daraus, das Surdschik, nebeneinander. Schon hier in Kiew hören wir mehr Russisch als Ukrainisch, im Osten wird fast ausschließlich Russisch gesprochen, es war nicht mal Pflicht, in der Schule Ukrainisch zu lernen.

imageDie böse Darstellung, die Krim hätte sich in einem Referendum für den Anschluss an Russland entschieden, ist nicht nur eine Mär, sondern eine Lüge. Tatsache ist, dass die Krim von schwerbewaffneten russischen Spezialkräften und allerlei dahergelaufenem Volk mit Waffen in der Hand besetzt war. Das ukrainische Militär war zuvor von Janukowitsch, dem verjagten Präsidenten, so runtergewirtschaftet und wohl auch instruiert worden, dass es dort zunächst nichts entgegenzusetzen hatte. Wie angeblich demokratiefreundliche westliche Medien und Politiker unter diesen Umständen das Wort Referendum überhaupt in den Mund nehmen können, bleibt mir schleierhaft.
Weiterhin hatte das Parlament der Autonomen Republik Krim nach ukrainischen Gesetzen gar keine Berechtigung zu einer solchen „Abstimmung“. Wie würde die Bundesregierung reagieren, wenn Baden-Württemberg sich jetzt einfach mal Frankreich angliedern würde?
Und zum Schluss zu den Zahlen: Während Putin ja mit großem Medienaufwand, von den Deutschen immer fleißig nachgebetet, irgendwas von einem großen Erfolg von 82% Wahlbeteiligung und 96% Zustimmung verbreiten ließ, fand sich ein paar Wochen nach dem Krim-Referendum auf der Internetseite des von Putin berufenen „Menschenrechtsrats“ die Mitteilung, dass lediglich ein Drittel bis die Hälfte der Krim-Bewohner an der Abstimmung teilgenommen habe. Und von denen wiederum hätten nur 50 bis 60 Prozent für den Anschluss gestimmt. Damit kommen wir im schlechtesten Fall auf15 Prozent, im besten auf 30 Prozent Zustimmung! Es bleibt also eine russische militärische Annexion.

In die gleiche Kategorie gehört die Mär von den armen unterdrückten Russischsprachigen im Osten und die Rede von den sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk. Es ist im Grunde das gleiche Vorgehen von Putin wie auf der Krim gewesen: professionelle Russen rein ins Gebiet und Leute aufhetzen. Die waren sowieso schon aufgeputscht von den russischen Nachrichten über die angeblichen Greueltaten ukrainischer „Faschisten“. Da hat man dann ein paar gefunden und denen Waffen in die Hand gedrückt, aber zu Putins Leidwesen fanden sich nur wenige. In Dnipropetrowsk hat’s nicht gezündet, in Mariupol nur kurz, die Provokation in Odessa verlief auch im Sand.
Das heißt, das ukrainische Volk hat dem ganzen im Grunde widerstanden. Putins Traum von „Neurussland“ ging in die Hose. Lediglich im Donezker und Luhansker Bereich, wo zuerst professionelles russisches Militär ein paar Hauptgebäude besetzte, fanden sich einige. Es dürfte nicht schwer sein, auch in Deutschland unter gleicher Aufhetzung und gleichen Größenwahnsinnsversprechen und, nicht zu vergessen!, entsprechender Bezahlung Leute zu finden, die gegen den deutschen Staat kämpfen. Dann haben diese Aushängeschilder mit ihren Freunden ein „Parlament“ gegründet (da war überhaupt nichts gewählt! Während die Ukraine ständig zu Wahlen gedrängt wurde, hat man bei diesen „Republiken“ mal einfach die Sprache übernommen und oft nichts in Anführungszeichen gedruckt!) und eine „Regierung“ berufen.
Außer ständiger Unruhe und Bedrohung der Bevölkerung haben diese „Regierungen“ dann nichts weiter geleistet. Brauchten sie auch nicht, denn im Laufe der Zeit sickerten, ach woher denn, immer mehr Russen ins Gebiet ein und saßen plötzlich an den Schlüsselposten, der bekannteste ist der russische Geheimdienstler Igor Girkin, der sich inzwischen einfach mal zum militärischen Chef erklärt hat. Und, das dürfte ja nun wirklich eine Binsenweisheit sein, wer die Waffen hat, hat die Macht.

Damit sind wir beim fünften Punkt. Diesmal keine Mär, sondern ein eifriges Verschweigen. Dass russische Waffen über die Grenze kommen, nimmt man ja nun selbst in Deutschland zur Kenntnis, wenngleich, wie mir scheint, etwas widerwillig, weil ja dadurch der neue deutsche Busenfreund Putin doch in einem nicht mehr so rosigen Licht erscheint.
In welcher Dimension das eigentlich passiert, fand ich noch nirgendwo erwähnt. Aber der gesunde Menschenverstand, so er noch funktioniert, konnte sich schon seit langem fragen, wie es eigentlich möglich sein kann, dass 3000 – 4000 Terroristen (so waren vor zwei Monaten die geschätzten Zahlen der NATO) monatelang der ganzen ukrainischen Armee standhalten können und wieso es der ukrainischen Armee bis heute nicht gelungen ist, den letzten Grenzübergang zu Russland wieder unter Kontrolle zu bringen.
Dazu eine kürzlich gelesene Zahl: Allein innerhalb von zwei Wochen sind rund 500 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie ebenfalls etwa 500 schwere Gefechtswaffen über eben diese Grenze zu den Terroristen gekommen! Also hier wird nicht heimlich nachts mal was rübergeschoben, sondern hier rollen Kolonnen. Und dann fragt ihr vielleicht mal die Männer, die noch Wehrdienst geleistet haben, wieviele Leute man eigentlich für das Fahren eines Panzers und für die Bedienung schwerer Geschütze braucht. Da wird dann schnell klar, dass also auch mindestens noch 5000 professionelle Kämpfer aus Russland, bestimmt aus Versehen, in den Panzern gesessen haben müssen, alle wieder als „grüne Männchen“. Da erklärt sich dann, warum die ukrainische Armee solche Mühe hat! Das bedeutet für die Leute hier, dass jetzt die dritte Stufe der Mobilmachung begonnen hat, die Männer aus dem ganzen Land betrifft.

Da muss man nun, so zynisch es klingt, ja fast den Russen dankbar sein, dass die auch Buk-Raketen an die Terroristen geliefert haben. Und den Terroristen, dass die so blöd waren, ein Passagierflugzeug abzuschießen. Und dem lieben Gott, dass genügend Europäer drinsaßen. Denn sonst hätte Europa den Krieg von Russland gegen die Ukraine schon wieder zu den Akten gelegt und wäre stillschweigend zum business as usual übergegangen. Das mit der Krim hätte man Putin schon nachgesehen, Hauptsache er lässt uns wieder Geld verdienen.

Und da soll man nicht verrückt werden, zumal wenn man die Menschen hier in der Ukraine erlebt? Wenn man diese europäischen Weicheier und Hin- und Herlavierer sieht. Wenn man „unparteiische“ Medien erlebt, die den Russen nachhecheln (die spanischen waren viel ausgewogener). Wenn die deutsche Wirtschaft jammert, weil man vielleicht in diesem Jahr ein paar Euro im Geschäft mit Russland weniger verdient. Wenn Frankreich heult, dass es seine Flugzeugträger verkaufen will. Wenn englische Firmen weiter Waffen an Russland liefern, obwohl das Land behauptet, seit März dies nicht mehr zu tun. Wenn die EU mit Deutschland an der Spitze seit Monaten(!) sinnlose Ankündigungen über Sanktionen an Russland macht, ohne mal wirklich was zu tun. Wenn das deutsche Oberweichei Steinmeier bei jedem Furz, der warm aus Putins Munde quillt, gierig einatmet und verkündet, dass es jetzt aber ganz bestimmt nach Hoffnung und Frieden riecht. Pfui Teufel!
Da kann man noch froh sein, dass es einen Obama gibt (und wer mich kennt, weiß, dass ich nicht gerade als amerikafreundlich berühmt bin), der überhaupt mal was unternimmt.
Das reiche Europa jammert – und hier in der Ukraine sterben Menschen im Kampf für ihre Unabhängigkeit.

Dieser Kampf hat eine lange Geschichte. Uns hat es heute zufällig, wie sowas eben passiert, in ein Museum hier in Kiew geführt, welches den Opfern des Hungers gewidmet ist. Was issn das, haben wir uns gefragt, ein ganzes Museum dafür?
imageBereits 1919 hatten die Bolschewiki unter Lenin Russland nach ihrer Revolution 1917 so weit heruntergewirtschaftet, dass es Not litt. Also fiel man kurzerhand in die frisch gegründete Ukraine ein, installierte eine Parallelregierung, die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik, und nahm den Ukrainern einen Großteil ihrer Ernte weg. Zwei bestialische Hungerjahre waren die Folge, 4-5 Millionen Ukrainer starben, der „Hungerkrieg“ wurde von Lenin zu einer kommunistischen Notwendigkeit schöngeredet. Schon damals halfen – die Amerikaner! Sie verteilten 1921/22 insgesamt 200 Millionen Tagesrationen Essen im Land. Die Ukrainer, die für die amerikanischen Hilfsorganisationen arbeiteten wurden im Laufe der folgenden Jahre von den Bolschewiki in Arrest gesteckt und umgebracht.
Noch zweimal, in den Jahren 1932/33 und 1946/47 wandten die russischen Kommunisten das gleiche Mittel des Aushungerns an, um die ukrainische Bevölkerung zu dezimieren.
Lasst euch einfach mal Hineinfühlen, was das für die Leute bedeutete, die zu diesen Zeiten lebten.

Da ist es dann nicht verwunderlich, dass die Ukraine Anschluss an Zivilisation sucht und sich nach Europa wendet. Putin hat das von Anfang an boykottiert. Von heute her gesehen, muss man wohl klar feststellen, dass Janukowitsch Putins Marionette gegen den Hang der Ukraine zu Europa hin (nach der orangenen Revolution) war. Janukowitsch war zweimal als Präsident gewählt worden, jeweils mit knapper Mehrheit. Beide Male kam diese Mehrheit nur zustande, weil er im Osten sich viele Stimmen gekauft hatte und daneben seine persönliche Milizeinheit fleißig unterwegs war, Unwillige zu den Urnen zu treiben.
Von Janukowitschs Präsidentschaft weiß ich erstmal nur so viel, dass er die Legende von den von bösen Westukrainern benachteiligten Russischsprachigen fleißig schürte, um russlandfreundlichere bzw. europafobische Stimmung zumindest im Osten zu erzeugen. Außerdem hat er die Korruption im Land krass verschärft und Armee und Polizei so weit runtergewirtschaftet, dass es bei Putins Einmarsch auf die Krim zu den oben erwähnten Lähmungserscheinungen des ukrainischen Militärs kam.
Putins Plan mit Janukowitsch war gut, nur, er ging nicht auf. Als Janukowitsch sich weigerte, das schon lange vorbereitete Assoziierungsabkomen mit der EU zu unterzeichnen, begannen die Proteste des Volkes auf dem Majdan… – das war das zweite Mal nach der orangenen Revolution.

imageEs gibt hier eine Sehnsucht nach Europa – und die scheint mir nicht zuerst, wie man in Deutschland denn gern unterstellt, materielle Gründe zu haben. Es geht, so wie ich es wahrnehme, eher um Sicherheit, um Zivilisation. Kiew erlebe ich von der gesamten Ausstrahlung her europäisch.
Wenn ich erlebe, wie Europa und auch Deutschland hier geachtet wird, dann schäme ich mich manchmal, zu diesem Volk zu gehören, das die Menschen in der Ukraine hier so hängen lässt.