Für Helene

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Du wirst nun vier Jahre alt.
Und ich kann leider nicht mit dir feiern, weil ich noch auf meiner großen Reise bin. Da habe ich schon viel erlebt.
Eine Geschichte davon erzähle ich dir jetzt zum Geburtstag. Es ist eine wahre Geschichte. Und sie heißt:

Kleine Freunde

Vom Wandern sind wir müd; vielleicht,
dass es für heute erstmal reicht.image

So suchen wir ’nen Platz für’s Zelt.
Wo bekommen wir das nur hingestellt?
Dort ist’s zu schief, da ist’s zu krumm;
hier liegen viele Steine rum.
Egal! Es ist ein schöner Fleck,
Wir kehr’n die Steine alle weg.image

Nun ist alles sauber, alles ist schön;
nichts Störendes ist hier mehr zu seh’n.
Zelt aufgebaut.
Alles drin verstaut.
Dann geh’n wir schlafen…

Als wir am Morgen dann erwachen
und fröhlich gleich das Zelt aufmachen,
da sehen wir sie: viele kleine
Wesen. Alle hab’n sechs Beine.image

Sie krabbeln hin, sie krabbeln her,
und schau!, hier sind ja noch viel mehr.
Sie sind am Topf,image

in meiner Tasse,image

es ist eine ganze Ameisenstraßeimage

direkt vo der Tür; um die Ecke geht’s weiter
bis hinter ans Zelt. Na, das ist ja heiter!image

Da muss ich gleich mit ihnen reden,
nicht, dass sie noch das Zelt betreten!

„Liebe Ameisen“, sag ich, „gestern war
der Platz hier leer und wunderbar.
Nun sind wir hier –
und auch ihr.
Jetzt müssen wir sehen,
wie kann das miteinander gehen.

Wir lassen euch hier gerne sein,
doch dürft ihr nicht ins Zelt hinein.
Auch vom Eingang geht lieber weg,
sonst treten wir euch in den Dreck,
weil wir euch nicht alle sehen,
wenn wir rein und heraus gehen.
Und, wenn wir uns am Frühstück laben,
wollen wir euch auch nicht haben.
Dafür lassen wir euch hinterher
die Krümel und Schalen und anderes mehr.
Und wenn wir weg sind, auf jeden Fall,
könnt ihr krabbeln überall.“

Ja, was glaubst du, was dann geschah,
was ich mit eignen Augen sah?

Eine halbe Stunde war kaum vorbei,
da war der Eingang ziemlich frei.
Wir konnten auch in Ruhe essen.
Nur zwei oder drei hatten’s vergessen
und krabbelten auf unsern Tisch.
Die hab ’n wir vorsichtig weggewischt.

Erst nach dem Essen sah’n wir sie kommen.
Sie haben alles mitgenommen.image

Es war ein richtiges Getümmel.
Die einen schleppten Weißbrotkrümel.image

Und dann war’n wir von den Socken:
Wir sahen unsre Haferflocken,
wie sie die durch die Gegend tragen.
Das machen sicher nur die starken.image

Die kleinsten kletterten derweil
In den Honigdeckel und leckten das Teil
ziemlich leer.image
Es schmeckte wohl sehr.

Und dort, wo unsre Schalen lagen,
war ein Gewimmel, das kann ich dir sagen!
Du siehst es hier auf diesem Bild,
auf Obst, da war’n sie ziemlich wild.image

Nachmittags war’n alle verborgen.
So blieb das, bis zum nächsten Morgen,
da war’n sie alle wieder da.
Doch nichts Schlimmes uns geschah.
Die Ameisen wurden uns nie zur Plage,
auch nicht mehr die nächsten Tage.

Nur überlege ich seitdem:
Konnten die Ameisen meine Rede verstehn?