Sei mutig!
Es geht nicht, ein ganzes Jahr frei zu nehmen, zumindest nicht in deinem Alter und deiner Position. Das habe ich so oder in Varianten mehrfach gehört, als ich meine Gedanken eines Sabbatjahres öffentlich machte. Und in der Tat: Es gab vieles, was dagegen sprach. Auf der Seite mit dem Dafür fand sich nur ein Punkt: Mir ist es wichtig! Natürlich wurde ich gefragt: Warum denn? Ich hatte ein paar Gründe, keiner davon hielt den vernünftigen Dagegen-Argumenten stand. Und ich war mir selbst ja nicht mal sicher, ob meine Gründe stimmten.
Nun ist das Jahr, DAS JAHR, Realität. Von meinen damals angeführten Gründen stimmten wenige. Immerhin. Wichtiger war und ist immer noch das, was hier unterwegs andauernd passiert. Mit mir, mit uns beiden als Paar, mit uns und den anderen Menschen, die wir im Café, auf dem Basar, im Bus, auf dem Wanderweg treffen. Und am bedeutsamsten für mich ist, die Entscheidung zu DEM JAHR überhaupt getroffen zu haben. Das war wahrlich mutig – und ich bin gespannt, wie es ausgeht.
Mut ist nicht nur eine große Sache. Mut ist manchmal ganz klein. Das erste Mal einen Hund gestreichelt. Die Verkäuferin, die schon beim geringen Einkauf blöd tat, dann trotzdem noch nach dem Weg gefragt. Den Profibettler freundlich anschauend Nein gesagt. Auch noch ein fünftes Mal in den Handyladen gerannt, weil die SIM-Karte nicht funktionierte.
Mut ist, Beschränkungen und Beschränktheit zu überwinden. Letzteres ist üblicherweise die eigene. Aber genau da wird es wirklich spannend. Willst du weiter in deinem Heimathafen Hafenrundfahrten machen, was ja auch sehr schön sein kann und wohlig? Oder mal in See stechen? Muss ja nicht gleich der Atlantik sein, der kann auch schnell zu heftig werden. Oft tut’s auch schon die Fahrt in den Hafen in der Nachbarstadt.
Es geht um die Auseinandersetzung mit Neuem. Es geht ums Entscheiden. Und Machen. Und Wagen. Es geht um die Erfahrung von Weite. Weite, die weitstirnig macht, und dann auch weitherzig. Die dich offener und empfänglicher macht für das Leben.
Bei meiner 50+ Generation kann man’s dann sehen: Wer diese Offenheit und Neugier noch hat (oder sogar mehr den je) – und für wen es das größte ist, an der heimatlichen Pier sein feirabendliches Bier (die richtige Sorte natürlich) zu schlürfen. (Es soll sogar Dreißiger geben, die das schon erreicht haben.)
Mut hält frisch und strafft die Haut!