Plane nur begrenzt! Das Leben beginnt, wenn der Plan endet.
Das könnte als Motto über unserem ganzen Jahr gestanden haben. Aber wie schwer das ist!
Wir begannen im Dezember in Nerja. Knapp drei Wochen hatten wir dort eine Ferienwohnung. Zum Eingewöhnen, wie wir uns sagten. Nach knapp 14 Tagen tauchte sie dann auf, die Frage, wie eigentlich weiter. Schließlich entschieden wir uns, nach La Línea, gegenüber Gibraltar, zu fahren und evtl. dort zu campen. Die Versuchung lauerte in Form unserer lieben Vermieter Sergio und Elisabeth. Als sie von unseren ungewissen Plänen hörten, wollten sie alles organisieren. Mühsam setzten wir uns durch. Angekommen in La Línea gehen wir etwas fertig durch die warme und, sagen wir mal, nicht sehr attraktive Stadt Richtung Camping. Nach einer knappen halben Stunde habe ich’s satt. Ok, kurze Pause, Neuorganisation. Wir drehen um. Fragen paar Leute, was schon mal nette Gesprächlein ergibt. Landen dann im Informationsbüro und haben wenig später eine nette Bleibe gefunden.
In der Folgezeit sind wir noch mehrmals der Versuchung erlegen, vor allem in Städten Umterkünfte schon vorzubuchen. Klingt ja auch furchtbar vernünftig, man kann sogar etwas Geld sparen. Bis wir nach und nach merkten, dass auch das etwas wegnimmt. Man muss plötzlich niemanden mehr fragen.So haben wir allmählich das Vorbuchen ganz gelassen.
Wir gehen durch das Dörfchen Tormón. Wunderbare Gespräche in der Bar. Weiter. Nach 300m schauen wir uns an: Es war so schön dort! So sympathische Leute! Aber es ist doch blöd, jetzt umzudrehen! Wir machen es schließlich doch. Es wird eine unserer wunderbarsten Begegnungen auf der Reise (nachzulesen hier im Blog).
Wir sind in Deutschland so schrecklich organisiert. Das betrifft nicht nur die Terminkalender, auch die der Kleinsten. Es ist bei uns auch klar, wohin der Hund kacken darf. Dass die Oma ab 78 ins Heim gehört (ist ja das Beste). Dass Feuer im Kamin nur mit ökologisch gehackten Baumarktholz gemacht wird. Dass die Pfirsische aus Papas Garten nicht der Norm entsprechen und auf den Kompost müssen. Dass Inlineskater nur den weißen Streifen zwischen Fuß- und Radweg benutzen dürfen. Dass der Bus genau 13 Uhr 12,5 Minuten kommt. Na, und so weiter.
Wenn man dann in die Ukraine kommt, nimmt man erstaunt zur Kenntnis, dass das Leben auch ohne das alles funktioniert. Nein, dass es sogar besser funktioniert. Dass hier viel mehr LEBEN ist. Weil man viel mehr miteinander in Kontakt gehen muss! Weil man sich dauernd als Mensch begegnet (und nicht nur als Funktionsinhaber). Weil vieles, in Ermangelung von vorgegebenen Regeln, erst im Miteinander geregelt werden muss. Und darf! (Schon deshalb sei jedem von euch ein Besuch der Ukraine dringend angeraten!)
Natürlich ist ungeplant nicht nur lustig. Wir begegneten unserer eigenen Langeweile (was manchmal aber auch erleichternd sein kann). Wir begegneten unseren Ängsten (wohl der häufigste Grund, Langeweile nicht zuzulassen). Wir griffen auch mal ins Nasse (aber gelingen eigentlich alle Pläne?).
Was wir aber vor allem gemerkt haben: Wenn wir ungeplant unterwegs waren, waren wir wacher.
Wir bekamen einfach viel mehr mit von dem, was uns begegnete. Und wir haben nachts dann tief geschlafen. Und wir haben herrliche und liebe Menschen kennengelernt, überall und immer wieder.
Freies Leben geht nur in freien Zeiten und Räumen.