Frag die Leute – und frage direkt!
Unser erster großer Wandertag in der Alpujarra. Wir sind seit mehr als zwei Stunden unterwegs, kommen durch Nigūelas. Wie geht es weiter? Wo ist eine Möglichleit für ein nächtliches Zelten? Wir sind noch unsicher, was geht und was nicht. Zwei ältere Männer stehen am Straßenrand, dort wo einer seinen Garten hat. Wir müssen sie ansprechen. Unser Spanisch ist noch simpel, für lange freundliche Floskeln reicht es nicht. Also ran an die beiden, wir stören sie in ihrem Gespräch,wollen wissen, wie weiter und wo eine Quelle ist. Sie wenden sich uns lächelnd zu. Es entsteht ein Gespräch, mit Händen und Füßen. Unterwegs zur Quelle überholt uns der eine mit seinem Auto, wartet an der Quelle auf uns. Er nimmt uns gleich noch mit zu seinem Gartenhaus. Weinverkostung und geschenkte Orangen inclusive. Eine Begegnung, die uns bereichert.
Solches erleben wir oft. Die Sprachbarriere nötigt uns zu Klarheit und Direktheit. Und die Menschen reagieren positiv! Unterbrechen ihr Gespräch. Erklären uns freundlich, was wir wissen wollen. Gehen oft noch ein paar Schritte mit.
Zweierlei wird mir bewusst. Wann fragen wir überhaupt noch jemanden? Es hat sich in unserem gut sortierten Deutschland so eingeschlichen, dass man kaum noch fragt. Es gibt ja schließlich das Internet, wo man alles recherchieren kann. Es gibt den Fahrkartenautomaten, den Bankautomaten, den Parkautomaten. Es gibt überall umfangreiche Erläuterungen. Was es nicht gibt: Kontakt, menschliche Begegnung, Zuwendung.
Zum andern: Direktes Fragen ist (ebenso wie direktes Reden) nahezu verpönt. Wir müssen immer fein höflich sein, uns dreimal entschuldigen, um den heißen Brei herum reden. Wir machen so viele Dienerchen und Verbeugbiegungen, dass der aufrechte Mensch dahinter verschwindet. An-stand hat mit stehen zu tun. Erkenntlich sein. Auch in deinem Bedürfnis nach Hilfe.
Menschen helfen gern. Wenn du dein Bedürfnis zeigst.