Gartenarbeit

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Wir wollen arbeiten. Freiwillig. Also werden wir Volunteers, Marjana mit Ausweis, ich sozusagen illegal. Eine der zehn Angemailten zeigt Interesse. Also auf ins Bergland bei Ronda!

Unsere asociación hat Ziele: Verbundenheit der Menschen untereinander, Solidarität, ökologische Landwirtschaft. Wir werden vom Bus abgeholt und zum huerto geleitet. Steil im Berghang liegt er, eine schöne Mischung von Wald und Garten, mit sehr viel Klee. Ely zeigt uns, dass in und unter dem Klee noch andere Blättlein zu finden sind: Petersilie, Liebstöckel, Melisse, Zitronengras, Tomaten, Erdbeeren und noch etliches andere. Aha. Darunter ist auch eine  Art Gurkenmelone. „Ely, ist das ein Gemüse oder ein Obst?“ „Wenn man es in den Tomatensalat gibt, ist es ein Gemüse. Wenn man es zusammen mit Orangen isst, ist es ein Obst.“ Aha. Genauso schmeckt das Ding dann auch.

Ug CabañaEly zeigt uns derweil unsere Holz-cabaña, die in den nächsten ein bis zwei Wochen unser Zuhause werden soll. Alles frisch entrümpelt für uns. Der Ofen qualmt. „Kein Problem, ist nur am Anfang. Zuerst etwas Papier im Abzugsrohr verbrennen, dann geht’s schon.“ So machen wir’s dann später auch; es qualmt, wird aber besser.

Weiter geht es: eine überdachte Freiluftküche, ein großes überdachtes Freiluftwohnzimmer, ein Campinghänger (wohl für Ely und ihren Mann), drei Katzen, sieben Hühner, kein Hund (zum Glück). Ely weist uns in alles ein, sie spricht ein Spanisch, das unseren Ohren wohlgesinnt ist, wir verstehen fast alles. Sie hat auch ein Buch geschrieben. Über Pflanzen. Ökopapier natürlich. Stolz zeigt sie es uns. Dann geht sie. Aha. Wir dürfen hier nun allein wohnen. War nicht so gedacht von uns, aber wird schon gehen.

imageWir beziehen ein Bett, das zweite, ein Hochbett, haben wir abgewählt, glücklicherweise, wie sich zeigen wird. Wir feuern den Ofen, bis der Qualm sich verzogen hat. Wir bereiten Freiluft unser Essen. Die Sonne sinkt langsam, wir sind bei etwa 10 Grad. Ab in die cabaña! Wir sitzen auf dem Bett. Licht? Ach so, gibt’s nicht. Zwei Kerzen müssen genügen. Wir betten uns zeitig. Und wachen zeitig wieder auf: Gegen 3 Uhr dringen Sägegeräusche an unser Ohr. Ein Mäuslein hat eine Mandel gefunden und drückt sie offensichtlich zum Nagen so geschickt ans Gebälk, dass ihr Nagen wunderbar verstärkt wird. Sie besucht uns von nun an jede Nacht. Freunde werden wir nicht, aber eine Art friedlicher Koexistenz stellt sich ein.

Am nächsten Morgen regnet es. Waschen? Ach so, war ja auch draußen. Wir werden mutig und leben gesund. Ely will gegen 10 kommen. Gegen 17 Uhr ist sie dann überraschend tatsächlich da, mit ihrem Mann. Eine Hand voll Gemüse und ein Stück Käse haben sie noch mitgebracht. Und ob wir die Hühner morgen rauslassen könnten. Machen wir! Dann haben wir das Gartenreich wieder für uns. Die Temperatur im Schatten ist inzwischen bei 8 Grad.

Am dritten Tag müssen wir der Enge mal entfliehen. Wir gehen hoch zum Dorf. Ein direkter Weg schlängele sich steil bergauf. Wir finden ihn. Immer wieder. Der Lohn des Tages sind ein Café con Leche in einer der Dorfkneipen, Brot und, ja, Wein aus dem Supermarkt sowie drei Eier von unseren glücklichen Hühnern.

imageLeider wird es regnerischer und auch Ely kann aus familiären Gründen nicht mehr kommen. So merken wir, dass unser Ende hier naht. Wir ernten noch ein paar der leckeren Bio-Orangen und Mandarinen, knacken uns ein Kästchen mit Öko-Mandeln, zupfen leckere Teekräuter und nehmen unsern Hühnern die letzten noch warmen Eier. Der Regen lässt eine kleine Lücke und wir stapfen schwer beladen eine halbe Stunde lang steil nach oben. An der Bushaltestelle noch ein Hagelschauer. Dann reicht es uns erst einmal. Wir fahren an die warme Küste, ganz nach Süden…