Viele machen es. HaPe Kerkeling hat vor Jahren ein Buch drüber geschrieben. Etliche meiner Bekannten machten es. Sogar meine Enkelin war schon solcherart unterwegs.
Wir wollen in den Nordwesten Spaniens, die paises verdes erobern, möglichst zu Fuß. Beim Aussschau Halten nach schönen Wegen kommen wir nicht mehr dran vorbei, am Pilgern. Also auf nach Pamplona! Wie wird man ein peregrino? Die Frage klärt sich ganz schnell in der ersten Herberge. Ein Pilgerbett kostet acht Euro, eines für Touristen zwölf. Da ist doch klar, was wir von nun an sind. Allerdings müssen wir uns ausweisen können! Das credencial kostet zwei Euro. Das lohnt sich also immer noch. Wir empfangen unsere erste Jakobsmuschel, frisch gestempelt. Von nun an sind wir Jäger der Stempel („mindestens zwei am Tag“).
Die Herberge hat 200 Betten, geschickt verteilt und ab und an etwas abgetrennt, in einem großen Schlafsaal in zwei Etagen. einhundertfünfzig von ihnen füllen sich nach und nach, man bewegt sich leise und diskret. Die Technikjungs versammeln sich auf etwa sieben Quadratmetern, wo der WLAN-Empfang lohnenswert gut ist. Die schlicht ausgestattete, aber saubere Küche wird kaum frequentiert, vier Japaner, zwei Polen und wir.
23 Uhr wird das Tor verschlossen, aber da liegen sowieso schon alle in ihren Betten. 8.30 Uhr früh müssen wir raus sein.
Die ersten rollen ihre Schlafsäcke bemüht leise schon um sechs zusammen und sind gefühlt eine halbe Stunde später fort, ins Dunkel. Was sie da machen, erschließt sich uns nicht, beginnt spanisches Leben doch frühestens gegen neun. Da um sieben an schlafen nicht mehr zu denken ist, beginnen wir in Ruhe unser Morgengeschäft. Die Duschen sind schon wieder schön frei und wunderbar heiß. Die Küche so leer wie am Vorabend. Eine Dame bewundert unseren schwarzen Tee, an sowas hat sie nicht gedacht. Kurz vor der Schließzeit lässt sich die Zahl der Anwesenden an einer Hand abzählen. Ich studiere die Informationstafeln. Fahrradreparaturwerkstätten, Geschäfte für Pilgerwaren aller Art und Massagestudios bieten ihre Dienste an. Was Pilger halt so braucht. Eine Broschüre sagt uns, dass wir von der Vielzahl der spanischen Jakobswege auf dem Camino francés sind, achtzig Prozent aller Pilger wären hier unterwegs. Den Camino del norte an der Küste entlang würden nur knapp fünf Prozent bevorzugen.
Wir wissen, wo wir weitermachen. Unterwegs zur Busstation gehen wir kurz ins Postamt, wir brauchen noch eine Briefmarke. Vor uns in der Schlange stehen zwei Japaner, deutlich erkennbar als Pilgergenossen, die gerade der Postbeamtin mühsam klargemacht haben, was sie brauchen. Eine große Postkiste wird rübergereicht („Go green“), die von zwei Schlafsäcken nicht mal halb gefüllt wird. Alles andere müssen sie am gegenüberliegenden Schalter erledigen. Wir erinnern uns an unsere Päckchensendung von einem Viertel der Größe und vier Kilogramm von Nerja nach Deutschland. Das waren damals mehr als vierzig Euro. Wieviele Schlafsäcke kann man sich für das Porto von Spanien nach Japan neu kaufen?
Jetzt kreuzt die japanische Familie von paar Bettecken weiter im Schlafsaal auf. Auch sie haben im Pilgerführer offensichtlich gelesen, dass man schon am zweiten oder dritten Pilgertag merkt, was alles überflüssig ist, und es dann heimschicken kann. Bestimmt, so meinen wir, war auch das Postamt in Pamplona als günstiger Abgabeort beschrieben.
Wir pilgern nun erstmal mit dem Bus weiter. San Sebastian heißt das Ziel bzw. der neue Ausgangspunkt.
Als erstes werden wir uns einen Stempel holen.