Reiseerfahrungen – Lebenstipps 2

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Maulfaul sind sie. Ukrainische Marschrutka-Fahrer sagen nur das Nötigste. Das ist meistens gar nichts, ansonsten genügen Einwortsätze. Die Fahrgäste machen es dann genauso. Auch wir begannen, uns an diese Art der Kommunikation zu gewöhnen. Bis wir merkten, dass uns das nicht gefiel und nicht gut tat.Wir wollen vom Schazker Seengebiet nach Luzk fahren. Die Stadt ist uns unbekannt, wir werden spät ankommen und müssen noch eine Bleibe für die Nacht finden. Immerhin stehen wir schon mal an der richtigen Endhaltestelle, auch etwas Zeit bleibt noch. Freundlich grüßen wir den Fahrer, Fragen, ob die Rucksäcke ins Gepäckfach sollen. Er hilft beim Einstapeln. Da er inzwischen schon bei Dreiwortsätzen angelangt ist, beschließen wir weiter zu plaudern. Was wir machen, wohin wir wollen, dass wir ein Hotel suchen. Und siehe da, der Mann wird gesprächig. er könne uns was empfehlen. Soll’s billig sein? Natürlich. Er rufe dann gleich an.

Das macht er dann, als wir losgefahren sind, wirklich. So haben wir 10 Minuten später unser Hotel sicher. Und nachdem er in Luzk alle andern am Busbahnhof rausgelassen hat, fährt er uns noch direkt hin und meldet uns auch gleich mit an. Das Hotel entpuppt sich als super für unsere Zwecke, ohne ihn hätten wir es nicht gefunden, nicht mal das Touristenbüro kannte es.

Mich mitzuteilen ist etwas, dass mit schwer fiel. Wie oft habe ich eher gehört „Fall bloß nicht auf!“ Es hat sich eine unbewusste Angst eingenistet, zuviel von sich preiszugeben, sich zu sehr zu öffnen. Es könnte missbraucht werden. Irgendetwas könnte passieren. Jemand könnte mir schaden. So wird man vorsichtig, wägt ab, was man sagt. Manche sagen vor lauter Abwägen nur noch unverbindliche Floskeln oder gar nichts mehr.
Wir merken, wenn wir uns öffnen, wenn wir uns mitteilen, reagieren Menschen positiv! Sie werden selbst zu Menschen. Öffnen sich. Versuchen uns zu helfen. Beginnen mitzufühlen.
In welcher Dimension dies geschieht, hat mich auf dieser Jahresreise überwältigt. Und so ist dies eine meiner bedeutsamsten Lebenserkenntnisse:

Wer sich mitteilt, dem öffnen sich Menschen und Türen.