Wir sind auf der Suche nach WLAN. Der Barwirt nickt und führt uns eine Tür weiter. Noch eine Bar, hyperneumodisch. Sieht nicht gut aus, protzt aber. Und ist knalllaut, die Musik dröhnt, die Leute schreien sich an, wir erschreien uns das Passwort.
Während ich an dem Beitrag übern GR 142 schreibe, flimmern die Nachrichten über den selbstverständlich vorhandenen Fernseher.
Ein Flugzeug liegt im Wasser, geht aber nicht unter. Soll vor Indien sein. Ein Unfall? Oder ein Wunder?
Neue Schlagzeile: Janukowitsch fordere ähnlich Abstimmungen wie auf der Krim nun auch in andern Gebieten der Ukraine. Hab ich recht gelesen? Janukowitsch ist doch der, der die Ukraine erst jahrelang verrussifizierte und dann abdanken musste. Den Putin kurz danach politisch totsagte. Jetzt holt er ihn also wieder. Macht ja auch Sinn, schließlich gibt es keine weiteren ukrainischen Gebiete, die über eine autonome
Regierung verfügen, die man manipulieren könnte. Da macht sich Janukowitsch gut. Ist ja immerhin der letzte frei gewählte Präsident der Ukraine. Und wenn der solcherart um Hilfe bittet, wird ihm Putin die bestimmt nicht abschlagen können.
Der Rest Europas schaut dabei zu. Immer in der Hoffnung, dass es nicht schlimmer werden würde. Das hat man schließlich vor reichlich 70 Jahren auch schon so gemacht. Dass es dann doch sehr schlimm kam, scheint schon wieder vergessen.
Man kann das Ganze natürlich auch andersherum sehen. Macht Putin mit der Ukraine nicht vielleicht das Gleiche, was Kohl 1990 mit der DDR gemacht hat: angliedern?
Derweil flimmern die nächsten Bilder: Ceuta und Melilla. Ich weiß nicht, ob das im deutschen Fernsehen auch so präsent ist wie hier. Aller paar Tage sehen wir, wie nicht zwei oder drei, auch nicht nur 30, sondern Hunderte Afrikaner die Grenzzäune zu überklettern versuchen. Manchmal mit Erfolg. Wie lange lassen sich Menschenmassen mit Zäunen aufhalten? Afrika kommt.
Nein, es ist schon da! Wir haben sie gesehen. In Granada stehen sie an fast jeder Straßenecke, junge Afrikaner von vielleicht Anfang Dreißig. Bei Regen verkaufen sie Regenschirme, bei Kälte Mützen, abends CDs und DVDs, bei Sonnenschein…, alles superbillig. Ich habe kein einziges Mal jemanden etwas kaufen sehen, groß kann der Tagesverdienst nicht sein. Es seien Illegale, wurde uns erklärt. Wie lebt man illegal mit schwarzem Gesicht unter Weißen? Was ist das für eine Lebensperspektive für einen jungen Mann? Wie lange geht das noch?
Wir trafen vor zwei Tagen Anton in der Bar. Da er Deutscher ist, weiß ich genau, was er sagte. 13 Jahre lang lebte er hier, jetzt studiert er in Deitschland. – Warum? – Bessere Arbeitsperspektive. – Ist es wirklich so schlimm, wie immer in den Medien dargestellt? – Nein. Schlimmer.
Wir wandern durch ein wunderschönes Fleckchen Erde. Unsre Fotos zeigen einiges davon.
Es gibt auch andere Nachrichten.
PS: Wie in diesem Blog üblich, ist alles subjektiv und spontan. Ich habe auch hier, mit Absicht, nichts nachrecherchiert. Es ist genau das, was heute bei mir ankam und sich in mir bewegte.