Wo das Glöckchen leise bimmelt

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Regen.

Hatten wir schon? Haben wir auch hier wieder. Mierda! (hier unübersetzbar)
WLAN verfügbar im Zimmer, war versprochen. Ja, nur, leider, das Signal ist zu schwach.
Also gehen wir doch raus. Hangeln uns zwei Stunden lang von Geschäft zu Geschäft. Hier die Butter, da die Orangen, dort ein altes Handy (wir wollen es doch nochmal mit der auditiven conección versuchen)… Sind nach zwei Stunden trotzdem richtig nass.

Zum Glück sind wir spät aufgestanden, da bleibt nicht mehr so viel Tag, den es hier in Granada zu füllen gilt. Abendbrot auf dem Zimmer (dummerweise ist genau an diesem Wochenende Andalucía-Tag, so dass schon die Übernachtung ins Geld ging).
Dann gehen wir doch nochmal runter in die Bar unsres Hauses. Wir brauchen WLAN!
imagePsychedelischer Düsterrock hüllt unsere Ohren ein. Wir nehmen hinten Platz (sofern es sowas bei drei Tischen geben kann). Der DJ und Barkeeper mutiert zum Kellner, nimmt unsere Bestellung auf. Seine Augenlider hängen etwas, beim Reingehen roch es doch auch so, der hat doch nicht… Sicher hat er. Schnell erscheinen unsere zwei cañas. (Das muss hier erläutert sein: 0,25 l Bier, und da es zu jedem Getränk kostenlose Tapas gibt, ist es bei entsprechendem Hunger ratsam… ja, genau!)image
Ich lass den Blick schweifen. am Tresen drei Gestalten, am Nachbartisch ein Papa mit seinen zwei Söhnen von 5 und 10 Jahren, jeder der drei mit eigenm iPad, hinten wir. Von einer der Gestalten vorn ist das Wort „betrunken“ zu vernehmen. Das ist doch deutsch! Ich quassel ihn an. Er entpuppt sich als Italiener, seit 6 Jahren hier, Eltern gestorben, keine Geschwister. Er muss jetzt einfach trinken. Und wartet auf ein Mädel, dass er gestern in der Disco traf und die nebenan arbeitet. Erfolgversprechend sieht das nicht aus.
Während wir recherchieren, wie wir vielleicht weiter machen könnten, die Gegend der Alpujarras kreuzt die Gedanken, verändert sich die Besetzung der Bar laufend. Der Papa sitzt jetzt mit seinen Jungs hinten um die Ecke, am Wandtresen (wie heißt so ein Ding eigentlich?) zwei Chicos, am Nachbartisch ein lesbisches Paar mit großem Laptop. Die Musik wabert sich in fast unmerkliche Veränderungen, sie wird noch tranciger, spaciger, bis nur noch Bässe an der Hörgrenze und sfärischer Sound übrig bleiben. imageAh, die Asiatin am Nachbartisch entpuppt sich als deren Urheberin. Sie ist die, auf die sich das Plakat an der Wand bezog „noche ecléctica“, sie ist die DJane des Abends. Ihr rechter Finger hämmert Rhythmen auf das Mousepad ihres Laptops, die mein Ohr noch nicht mal gehört hat, ihr linker Arm dirigiert Klangteppiche. Ihre Liebste tanzt dazu.
Wir sitzen bei unserem zweiten Glas Most Vino de la tierra de Guadalix. Die erste frische Vergärung roter Trauben, natürlich mit Alkohol, laut Kellner. Schmeckt wie roter Federweißer, nur besser. Als sich gegen 1.00 Uhr die Bar immer mehr füllt und wir schon fast in den Klängen des Alls zerflossen sind, geben wir uns einen Ruck und gehen nach oben. Leise Basstöne wiegen uns zwei Etagen drüber in den Schlaf..
(Nachtrag: das spanische Glöckchen weist den Weg.)