Un paseo peligroso

Veröffentlicht in: alles, Reisen | 0

Spazierengehen ist gefährlich. Vor allem für den modernen Menschen. Das beginnt schon, bevor es eigentlich begonnen hat. Zuhause.Denn draußen ist Wetter. Vor dem man sich schützen muss. Windstopper, RegenProtectionHudi, Sonnencreme mit LSF 50, Outdoor-Hemd (wie heißt Hemd eigentlich neudeutsch?) mit UV-Schutz… Hauptsache, man merkt möglichst wenig, dass wieder Wetter ist. Also gut, der Himmel ist blau, die Sonne steht noch niedrig, der Wind weht sanft – wir hoffen so durchzukommen.

Am Strand erwischt es uns: volle Sonne, weiße Häuser, helle Avenida. Sonnenbrille!? Hamwor mit. Es geht weiter. Am Ende der Avenida folgt ein Parque Natural. Schmaler Eingang, Links und rechts davon reichlich zwei Meter hohe Stahlzäune. Wir sind drin. Was hier geschützt wird, sind kleine Büsche, über die wir mit zahlreichen großen bebilderten Tafeln informiert werden. Sie sind so klein, dass wir die nächsten 10 km überblicken, dazwischen einzelne kiefernartige Bäume. Ein (sehr) breiter Weg mit hellem Sand geleitet uns sicher durch das Gelände.

Nach etwa 800 m folgt ein Infopoint. Hier kann man auch Fahrräder ausleihen oder einen Guide mieten. Mehrere großformatige Übersichtskarten informieren über das umfangreiche Wegenetz. Wir studieren sie genau. Ein langer Weg, immer geradeaus. Nach 1,1 km ein Abzweig nach rechts, ganz geradeaus zum Strand führend. Nach weiteren 1,6 km eine Kreuzung, rechts geht es gerade zum Strand, links geht es gerade an den anderen Rand des Parks. Dann folgen ein paar kleine Kurven, die wir in Ermangelung eines anderen Weges zu finden hoffen. Wir fühlen uns gut informiert und machen uns frohgemut auf.image

Der Weg verbreitert sich auf Straßenbreite. Nach etwa 2 km die erste Begegnung: der abgebildete Radfahrer. Uns wird schlagartig unsere Leichtfertigkeit bewusst: Wir haben die Warnwesten vergessen! Mit doppelter Konzentration begegnen wir dem nächsten Jogger.

Dann die Kreuzung. Jetzt ging es? – Links! Eine kleine Pause können

imagewir uns gönnen, zumal, ja tatsächlich!, eine Notrufsäule unmittelbar neben uns steht. Gott sei Dank. (Auf dem Bild sind wir schon eine Notrufsäule weiter und es ist Marjana beim bestimmungswidrigen Gebrauch des Sportgerätes zu sehen, bitte nich weiter sagen! Ich stand ja die ganze Zeit neben der Säule.)

imageWir verlassen den Bereich der geraden Wege. Und tatsächlich, wir werden rechtzeitig gewarnt. Ist aber auch eigentlich nicht zumutbar, eine solch unübersichtliche Kurve. Dann werden wir richtig sauer. Jetzt, JETZT, nachdem wir fast den ganzen Weg schon hinter uns haben, werden wir erst darüber aufgeklärt, wie wir hätten gehen sollen. image(Für Spanisch Unkundige: auf dem Bild sind solche wertvollen Hinweise zu lesen wie 2. Nutze bequeme Kleidung! Oder 5. Schau nach vorn! Oder 8. Koordiniere die Atmung!)

Nachdem wir die Idee verworfen haben, uns bei der Parkleitung zu beschweren, beschließen wir, die nunmehr zahlreich aufgestellten Sportgeräte zu nutzen. Trotz beigefügter Descripción erschließt sich uns bei manchen nicht, was wir hier eigentlich machen sollen. Als ich am Verzweifeln bin, schießt Marjana ein Foto. Das nun hier ganz oben steht.

Dann ist der Park zu Ende. Wir gehen am Gelände der Universidad de Cádiz entlang, durchqueren ein kleineres Wohngebiet von Puerto Real, laufen 2 km durch ein fast ausgestorbenes Industrie- und an einem ganz ausgestorbenen Hafengelände entlang, gehen 500 m neben der Autobahn her – und werden dann ausgebremst. Ein Sperrschild weist uns unmissverständlich darauf hin, dass das Überqueren der Brücke nach Cádiz tatsächlich nur Autos möglich ist. Es gibt einen ganz schmalen Weg am Rande der Brücke, aber leider auch einen Wachturm in ihrer Mitte. Wir kneifen. Schleichen am toten Hafengelände und fast toten Industriegebiet vorbei zurück zum Wohngebiet, in der Hoffnung, wenigstens einen Bus zurück zu erreichen. Doch siehe da: 10 min nach unserer Ankunft fährt ein Bus – nach Cádiz! Tagesziel erreicht.

Wofür wir sechs Stunden brauchten, das schafft die Fähre abends in 20 min: zurück nach El Puerto de Santa Maria.