Ossis?!

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Man sollte nicht glauben, dass man Hinweise auf unsere Spezies auch in Nerja finden kann. Dochhier soll zunaechst Sergio zu Wort kommen, der liebe und freundliche Hausvater unserer Apartamentos. Wir begannen, unsere Weiterreise zu ueberlegen: „Sergio, wie kommt man mit dem Bus Richtung Costa de la Luz?“ Sergio erzaehlte einiges, dann verschwand er. Wenige Minuten spaeter war er wieder zurueck und praesentierte uns stolz das Ergebnis seiner Recherchen: Wir koennten uns doch ein Auto mieten – fuer nur 3,54 € am Tag! Mal abgesehen davon, dass wir uns persoenlich an Sergios PC vom Preis ueberzeugten -tatsaechlich, goldcar.es bot es so guenstig- wollten wir lieber Bus fahren. Sergio verschwand kopfschuettelnd.

Zwei Tage spaeter, am Vorabend unserer Abfahrt: Wir versuchten herauszufinden, wo denn in der Naehe von Tarifa Zeltplaetze sein koennten. Frage an Elizabet, Sergios Frau, auch eine „Ossi“ aus Polen: „Wir haben hier Campings direkt in der Stadt gefunden, kann das sein?“ Elizabet wollte am liebsten gleich alle anrufen. Wir verneinten. Sergio kam dazu und erneuerte sein Goldcar Werben. Die beiden verstanden nicht, dass wir weder das eine noch das andere wollten.

Wie soll man das auch erklaeren? Dass wir lieber „umstaendlich“ Bus fahren. Dass wir erst vor Ort fahren und dann dort ermitteln wollen, wo wir uebernachten koennen. Dass wir riskieren, dabei „umstaendlich“ suchen zu muessen. Wo doch alles nun so einfach sein kann! Wie soll man begreiflich machen, dass dieses einfacher und leichter auch bedeutet: wieder ein Stueck weiter weg vom Leben? Dass es eine Sehnsucht gibt, das Leben wieder dichter, greifbarer zu haben. Es auszukosten mit seinen Hoehen und Tiefen. Sich den Widrigkeiten auszusetzen, um nach deren Bewaeltigung zu merken: Ja! Es geht! Ich hab´s geschafft!

Hier prallen Welten aufeinander. Andreas Altmann meint in einem seiner wunderbaren Buecher, man muesse deshalb ab und zu Geschichten erfinden, damit man sich der anderen Welt verstaendlich machen koenne.

ozziesBeim abendlichen Abschiedsgang durch Nerja fanden wir dann  den nebenstehenden Hinweis auf uns Ozzies (fuer Spanisch nicht so fitte: z wird wie s oder wie das englische th gesprochen – so klingts dann fast echt). Und das gab mir einen Schluessel fuer die Beschreibung der Welten. Das eine ist die W-Welt, die nach immer mehr Erleichterung, Reinheit, Standard, Geschwindigkeit strebt. Und dann gibt´s die O-Welt, wo das Leben muehsamer ist, langsamer, dreckiger, vielfaeltiger. Wer von O kommt, will unbedingt endlich nach W. Und wer lange in W war, merkt, es fehlt was: das Wunderbare, Direkte.

Nachtrag: Wir fuhren -unvorbereitet- mit dem Bus bis Málaga, erreichten 5 Minuten spaeter den Anschlussbus nach La Línea, gingen dort eine Viertelstunde in Richtung eines gefundenen (ja, hier gab es doch ein wenig Planung) Campings, bis wir merkten, dass uns die Stadt in der Richtung nicht gefiel. Dann: ran an die Leute auf der Strasse. 30 Minuten spaeter hatten wir eine Bleibe – und dann sogar noch 2h Zeit fuer eine grosse Stadttour. Leben, wie bist du wunderbar!

PS: geschrieben auf spanischer Tastatur