Du brauchst mehr Zeit, als du denkst!
Manchmal landeten wir auf unserer Tour an komischen Orten. Lutzk war so einer. Irgendjemand hatte uns die Stadt empfohlen, da sei ein schönes Schloss. Das war auch so. Aber mehr war in Lutzk im Grunde nicht. Trotzdem blieben wir dort hängen, es gab einfach keinen Impuls weiterzuziehen.
So fanden wir in den nächsten Tagen noch den besten Kaffee der Ukraine, Michailo mit seinem künstlerischen Haus, eine nette Jugendeisenbahn in einem verwucherten Flüssleintal. Das war es dann aber wirklich. Trotzdem verlängerten wir weiter um einen Tag.
Und siehe da, am nächsten Morgen hatte ich einen kreativen Schub. Vieles, was mich schon eine Weile beschäftigt hatte, fand auf einmal zusammen, in einer ganz intensiven Weise.
Wie das Gehirn doch solche Zeiten braucht, in denen scheinbar nichts passiert. In denen der Input von außen auf ein Minimum beschränkt ist. Da haben Dinge Zeit sich zu setzen und neu zu ordnen.
Das ist im Grunde nichts neues. Aber ich finde es immer wieder erstaunlich, WIE lange der Kopf freie Zeiten braucht, um sich zu sortieren.
Da wird dann auch deutlich WIEVIEL zu schnell wir in unserer Kultur sind, WIEVIEL zuviel wir an ständig Neuem, auf uns Einprasselndem haben. Wo wir meinen, wir wären langsam, ist das für unser Gehirn immer noch zu schnell. So geraten wir immer mehr in einen Abarbeitemodus.
Kreativität aber braucht Zeit. Braucht freie Räume. Braucht ausreichende Schlafenszeiten.
Immer dann, wenn NICHTS geschieht, passiert das meiste.