Nein, hier geht es nicht um Hunde. (Wenngleich es auch darüber einiges zu berichten gäbe, habe ich doch nach 52 Jahren das erste Mal in meinem Leben in Niebla ein hündisches Wesen gefunden, das ich als meine Freundin bezeichnen kann. Doch dazu vielleicht einmal später.)
Hier soll es vielmehr um jene Wesen gehen, die man als Wwoofer bezeichnet.
Das ist eine besondere Spezies,
die es auf sich nimmt, 5 Tage die Woche zu arbeiten, um währenddessen und noch zwei Tage mehr ein Dach über dem Kopf und etwas Nahrhaftes in der Suppenschüssel zu haben. Das ganze dann noch freiwillig und mit dem idealistischem Anspruch organischer, nachhaltiger, ökologischer, menschenfreundlicher, solidarischer, persönlichkeitsentwickelner, spiritueller usw. als andere zu sein.
Praktisch sieht das so aus, dass man als umherziehender Wwoofer auf einen Gastgeber/Arbeitgeber/Freiwilligendienstbetreuer trifft, der, so zumindest unsere bisherige Erfahrung, gerade dabei ist, sich mehr oder weniger auf organisch, nachhaltig, ökologisch, solidarisch usw. umzustellen oder das zumindest plant oder auch schon mal eine Idee dazu hatte zuzüglich eines mehr oder weniger großen Geländes (huerta, huerto, granja…), das es nun zu entwickeln gilt.
Wir sind dabei!
Mit dem Bus von Córdoba nach Osten, die letzten hundert Kilometer vorbei an Olivenbäumen, Regen. Unser zukünftiger Chef empfängt uns freundlich am Busbahnhof zusammen mit seiner Partnerin. Café con Leche, herzliche Worte. Dann geht die Partnerin. Ach so, sie wohnen nicht zusammen, hm. Die letzten 20 km im Auto in die Sierra, Regen, Scheibenwischer geht noch, Gebläse nicht mehr. Aber wir fahren. Vorbei am Baumarkt, um noch etwas Heizmittel (interessant: Oliventrester und Mandelschalen) zu kaufen. Die andern zuhause waren feucht geworden, Heizung ausgefallen.
Das merken wir, als wir ankommen. Der Atemhauch ist im Innern des Hauses zu sehen. Einzige Wärmequelle: der brasero unterm Wohnzimmertisch. Wir bekommen ein gutes Essen, unser Chef bekommt die Heizung noch an. Die Wirkung davon werden wir erst am nächsten Morgen erahnen.
Da regnet es. Wir schleifen Holztische ab. Am nächsten Tag dasselbe. Am dritten auch, nur jetzt draußen. Endlich etwas Sonne. Die ist schon so kräftig, dass es draußen wärmer wird als drinnen.
Trotzdem gefällt es uns insgesamt nicht besonders. Auch das folgende freie Wochenende wird daran nichts grundlegendes ändern. Wir beseitigen noch einen Tag lang Sturmschäden, dann wandern wir weiter.
Warum tut man sich das an? Das fragen wir uns – und wir haben Antworten.
Wir kommen mit Menschen hier viel mehr in Kontakt. Wir teilen ein wenig ihre Art zu leben. Wir hören von ihren Träumen, wir sehen, wie es aussieht. Unser Spanisch wird besser, fast jeden Tag. Und wir bekommen weitere Kontakte. Am Abend unseres ersten Arbeitstages nahm uns jefe mit ins Dorfkino: 18 Leute, der herrliche spanische Film „Al fin del camino“ (hier wärmstens empfohlen) von der DVD, lauwarmer Dorfsaal. Beim anschließenden Bartermin erfahren wir, dass es erst die zweite Veranstaltung dieser Art war, organisiert von paar rührigen Leuten, um mehr Kultur ins Dorf zu bringen. Später erleben wir noch, wie am Esstisch heiß debattiert wird, ob das nächste Mal wieder zuerst ein Film dran ist und dann Diskussion. Oder erst Thema und dann Film dazu?
Noch zu erwähnen: hier, mitten in der spanischen Pampa treffen wir auch noch auf drei Amerikanerinnen. Was treibt die hierher? Klare Frage, klare Antwort: Sie helfen als native speaker ein Jahr lang beim Englischunterricht am colegio. Was es alles so gibt.
Aber wo einmal so viele besondere Menschen da sind, auch die zwei Alemanes sind da mit gemeint, muss eine fiesta her. Am Sonnabend in der, unserer, Mühle. Jeder bringt was zu essen mit, die zwei Alemanes sind der Hauptact.
Wir singen uns wacker durch unser internationales Liederprogramm, spontane Show- und Tanzeinlagen eingeschlossen. Und wir haben den Eindruck, aus uns könnte noch richtig was werden. Ein Salud auf das wwoofen!