Feliz Año Nuevo

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Da sind wir nun gut im Neuen Jahr gelandet. Hier stehen wir auf der Festung Gibralfaro hoch über Málaga.

Alles roch noch kräftig nach den Hinterlassenschaften der Männer, die hier wohl in großen Mengen das Neujahr gefeiert haben.
Ansonsten begegnete uns Málaga wettermäßig etwas trübe, voller Menschen und Geschäftigkeit. Es hat einen großen hübschen Fußgängerbereich, den wir auch voll ausgenutzt haben. Auf der Haupteinkaufsavenida gaben sich viele Musiker ein Stelldichein: erst ein einsamer lauter, sich wild gebärdender Percussionist (ohne Spielerlaubnis, wie sich nachher beim Erscheinen der Policía local zeigte). Als der nach wenigen Minuten erschöpft war, trat ein Pärchen in der Kleidung des 19. Jahrhunderts auf, mit einer jungen, zu freundlichen Kontrabassistin und einem genialen Musiker, der das übrige Orchester (Gitarre, Banjo, Trompete, Akkordeon, Gesang und Fußschlagzeug) verkörperte – ein Erlebnis. Nach deren Auftritt begann eine spanische Jugend-Blas-Gruppe fast im Stile von Guggemusik, naja. Spannend war das Publikum: wie die Leute genau spüren, wo es echt und wo es gemacht ist, und dort entsprechend stehen bleiben oder eben nicht.

Aber zurück zum Altjahresabend: Am zarten Nachmittag lud Sergio, unser italienischer Hausvater, zum Brunch ein – Backwerk seiner Heimat, viel Vino tinto, auch Bier, dazu Jack mit seiner Frau aus Schottland, ein älterer Herr aus Schweden, eine schwedische Immobilienverkäuferin aus Nerja, zwei in ihrem Englisch verständliche Südengländer und weitere mit uns nicht smalltalkende Einwohner der schon genannten Länder. Marjana war in ihrem vollendeten Englisch die perfekte Smalltalkerin, und ich hatte genügend Überlegenszeit, um auch ab und an einen halbwegs ordentlichen Satz einwerfen zu können.
Dann kam unsere Gitarre zu ihrem ersten öffentlichen Einsatz. Zwei Lieder kamen gut an. Mal sehen, was noch aus uns wird.
Wir erfuhren außerdem wichtige Details zur Neujahrsfeier. So gingen wir erst kurz nach 23.00 Uhr los, durch menschenleere Straßen, bis kurz vor dem Plaza Cavana die nächsten Fußgänger sichtbar wurden. Wir bogen um die letzte Ecke und – eine kleine Bühne, 3 Mann Band und vielleicht 1000 Leute. Und noch viel Platz. Also erstmal Rundgang: schlicht gekleidete Touristen, edel gekleidete Spanier (Anzug und Minirock wurden am meisten gesichtet), dazu ein paar kostümiert wie zu Fasching.
Die Zeit verging und auf einmal war es soweit: Glockenschläge erschallten (ohne dass es vorher ein großes Hochanimieren für die letzten Sekunden gegeben hatte). Wir holten schnell unsre Tüten mit den 12 Weinbeeren raus, bei jedem Glockenschlag hat man eine zu essen. Bei etwa der 8. waren wir im Rhythmus, nach der 12. umarmten wir uns mit vollem Weinbeerenmund. Kaum fertig mit Kauen begann die Knallerei: Zentrales Feuerwerk direkt auf dem Balcón de Europa, schön, laut, aber nicht superbombastisch. Nach geschätzten 7 Minuten war alles vorbei. Ein Drittel der Leute, wohl alles Touristen, ging heim.
Und auf der Plaza begann die Band wieder zu spielen, herrlich gemischte Musik, von Disco über Salsa bis zur Sevillana. Und das Volk tanzte, frei nach Gusto, wir auch. Gegen 2.00 Uhr gingen wir dann heim, noch munter, beschwingt und froh.
So kann man’s auch machen, einfach fröhlich, ohne tausendfache Knallerei, ohne dass die Leute schon um 11 so fertig sind, dass sie es kaum noch bis Mitternacht schaffen…
Der 1. Januar ist hier dann ein Ausflugstag: Bei herrlichstem Sonnenschein waren die Playas voller Menschen. Und auch wir waren natürlich unterwegs.