Wie kommen wir an Geld?

Ich bin Besitzer einer Kreditkarte. Meine deutsche Bank verspricht mir, dass ich weltweit ohne Gebühren abheben kann. Auf meinen Reisen in Europa hat das bisher auch erstaunlich gut geklappt.
Nun bin ich in Argentinien – und damit zwar nicht mehr in Europa, aber immerhin noch in der Welt. Insofern verschwendete ich auf das Nachdenken über die Beschaffung von Reisegeld keine Energie.
Bis zum ersten Geldautomaten in Buenos Aires. Der wollte für 150€ (der Verständlichkeit halber rechne ich mit runden Euros, der Kurs liegt bei 1 Euro = 22 arg. Pesos) glatt 9€ Gebühren. Der zweite auch. Der dritte ebenso. Ich ließ die Frage beiseite, wo meine deutsche Bank das Ende der Welt definiert, und fügte mich.
Das allein wäre mir allerdings noch keinen Beitrag auf dieser Seite wert gewesen. Doch außerhalb von Buenos Aires sollten sich noch ganz andere Fragen stellen.
Dazu später, denn erstmal fuhren wir (mit dicken Packen argentinischer Pesos im Gepäckgeheimfach) hinüber nach Uruguay.
Hier gibt es auch Pesos, uruguayische (Verhältnis zum Euro etwa 32:1). Geldautomaten sind rar, sie rücken auch max. 170€ raus, dafür sind die Gebühren geringer. Offensichtlich kommen wir der Welt ein wenig näher. Wie es auch sei, wir kamen recht gut durch.
Nach zwei ruhigen, gemütlichen Wochen wechseln wir über den Río Uruguay wieder nach Argentinien.

Colón heißt das Städtchen, in das der Bus über Schotterpisten, sich mit wehenden Staubfahnen weithin ankündigend, einfährt. Wir laufen Richtung Campingplatz, queren dabei das Stadtzentrum mit gepflasterten Straßen und finden auf der Suche nach Bargeld zwei Banken. Sie stehen sich an einer Kreuzung direkt gegenüber. Die erste ist zu. Bei der anderen erzählt uns der Automat, er arbeite nur Montag bis Freitag.
Das ist nicht so schön, aber wir haben ja noch unsere Geheimfächer, das reicht bis zum morgigen Montag.
Ist eben eine kleine Stadt – denken wir. Aber auf dem letzten Stück Weges kommen wir an der Strandschotterpromenade vorbei und treffen dort einen Pulk von Hunderten Autos und Tausenden Menschen. Wie machen die das mit Geld?, fragen wir uns. Auf einem miesen Zeltplatz (wir hätten weiter gehen sollen) quetschen wir uns zwischen zwei Wohnwagen, ’s ist ja nur eine Nacht.
Frisch und abenteuerlustig (heute soll es mit dem Bus in zwei Etappen 1500 Kilometer ins Gebirge gehen) wollen wir auf einer der Banken nebenbei Geld abschöpfen zur Erfüllung unserer Träume. Doch der Montag-bis-Freitag-Geselle will auch heute nicht. Bei der anderen Bank stellen wir uns ersteinmal an. Wo eine Schlange – da mit großer Wahrscheinlichkeit ein Geldspender, soviel haben wir schon gelernt. Nach gebührender Wartezeit haben wir es in die heiligen Bankgemächer geschafft. Von sechs Geldautomaten sind drei schon leer. Bei einem der anderen arbeite ich mich durchs Menü. 150€ will er mir nicht geben. Also von vorn. 125€? Sind ihm auch zuviel. Ich klicke mich in 25-er Schritten weiter abwärts. Doch auch 50€ sind dem Herrn übers Geld noch zu unmäßig, obwohl ich ihm dienstfertig seine 9€ Gebühr jeweils schon vorab zugesichert hatte. Hm.
Bargeld scheint also in der Tat ein Problem zu sein. Davon hatten wir schon im Vorfeld gehört, aber -siehe oben- ich doch nicht, mit meiner Karte.

Die Fahrkarten gibts zum Glück übers Plastikkärtchen, sonst wären wir schon hier gestrandet.
Unsere Gedanken kreisen nun.
In Paraná müssen wir umsteigen. Das gibt uns eine Stunde Zeit. Im Dauerlauf und Dauerpassantenfragen finden wir drei cajeros, wie die Dinger hier heißen. Einen beuten wir 2x aus, der zweite ist wieder so’n Knauser wie in Colón, der dritte will nicht. Wir haben ganze 300€ für die nächsten zwei Wochen in den Bergen. (Später erfahren wir, dass wir damit das Tageslimit zum Abheben voll ausgeschöpft haben.) Das ganze ist ein beeindrucken dicker Packen von Scheinen, weil nur je 100 Pesos = 5€ Scheine, wird aber nicht reichen.
Zum Glück fährt der nächste Bus über Nacht, so dass wir am Morgen in Tucumán nochmal scheffeln werden.
Wer hätte das gedacht: Konto voll und doch kaum Geld. Es bleibt spannend.